2019

SoVD veröffentlicht erstmals Geschäftsbericht in Leichter Sprache

Juli 2019

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen hat seinen Geschäftsbericht für die Jahre 2015 bis 2018 veröffentlicht – zum ersten Mal auch in Leichter Sprache. In drei Heften zu den Themen Beratung, Politik und Ehrenamt können sich Interessierte über die Arbeit von Niedersachsens größtem Sozialverband informieren. Dabei erfahren sie Wissenswertes über neue und innovative Beratungsangebote, die Mitgliederentwicklung, den politischen Einsatz des Verbandes sowie das Engagement der mehr als 10.000 SoVD-Ehrenamtlichen in Niedersachsen.

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SoVD fordert: Betriebsrentner endlich entlasten

08.07.2019

Seit 2004 müssen Betriebsrentner den vollen Beitragssatz zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen – also sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil. Vorher musste weder das eine noch das andere übernommen werden. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen sieht darin schon lange eine unzumutbare Mehrbelastung für diejenigen, die privat vorgesorgt haben. Jetzt scheint Bewegung in das Thema zu kommen: Die Große Koalition auf Bundesebene möchte bis September eine Lösung präsentieren. „Die niedersächsischen Bundestagsabgeordneten müssen sich in ihren Fraktionen dafür starkmachen, dass diese Regelung wieder gekippt wird“, fordert der SoVD-Landesvorsitzende Bernhard Sackarendt.

Auszeichnung: "Ein gutes Beispiel für Barrierefreiheit"

07.05.2019

SoVD zeichnet Grundschule am Roggenkamp aus

Vom behindertengerechten Parkplatz bis zum stufenlos erreichbaren Klassenzimmer: Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in der Grafschaft Bentheim hat die Grundschulen auf Barrierefreiheit getestet. Dabei schnitt die Schule am Roggenkamp am besten ab. Dafür wurde sie nun mit der SoVD-Plakette „Ein gutes Beispiel für Barrierefreiheit“ ausgezeichnet.

Schon vor einiger Zeit hatte der SoVD-Kreisverband Grafschaft Bentheim viele öffentliche Gebäude in der Stadt Nordhorn mit Hilfe einer Checkliste auf Barrierefreiheit getestet. Diese SoVD-Checkliste berücksichtigt die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern genauso wie etwa die von Menschen mit einer Seh- oder Hörbehinderung. Daher wurde nicht nur nach Rampen und Aufzügen gefragt, sondern zum Beispiel auch nach einem tastbaren Leitsystem, kontrastreichen Schildern mit gut lesbarer Schrift und einem Pausensignal, das sowohl akustisch als auch visuell wahrnehmbar ist. Von allen Schulen, die in Nordhorn getestet wurden, erreichte die Grundschule am Roggenkamp bei der Auswertung die höchste Punktzahl.

Zwar hatte es auch noch Kriterien gegeben, die nicht erfüllt wurden. „Luft nach oben gibt es aber überall“, betonte der SoVD-Kreisvorsitzender Bernhard Alferink. Ziel der Aktion sei daher nicht, ausschließlich Schulen auszuzeichnen, die ein perfektes Ergebnis erzielen. „Wir wollen vielmehr Schulen, die bereits Maßnahmen zur Barrierefreiheit umgesetzt haben, unterstützen und als gute Beispiele öffentlich nennen.“ Denn gerade für die schulische Inklusion sei die Barrierefreiheit eine wichtige Voraussetzung. Alferink lobte das Engagement der Stadt Nordhorn, die hinsichtlich der Herstellung von Barrierefreiheit im Stadtgebiet bereits viel unternommen habe. „Auf Hinweise in Sachen Barrierefreiheit reagiert die Stadt schnell und setzt entsprechende Maßnahmen um. Das ist vorbildlich“, sagte der Kreisvorsitzende.

Schulleiter Bernhard Reiners sowie Thomas Berling, Bürgermeister der Stadt Nordhorn und Arnold Mönnich vom städtischen Hochbauamt, zeigten sich erfreut über die Auszeichnung des Sozialverbandes. „Vor einigen Jahren gab es die Initiative aus dem Kollegium heraus, die Barrierefreiheit des Schulgebäudes herzustellen. Das wurde dann mit viel Engagement verfolgt“, so Reiners. Mit dem Ergebnis zeigte sich der Schulleiter zufrieden. Über Jahrzehnt sei die Barrierefreiheit nicht berücksichtigt worden, so Berling. „Wir sind heute schrittweise dabei, zu optimieren. Es geht aber nicht alles auf einmal“, gab Nordhorns Bürgermeister zu bedenken. Er lobte in diesem Zusammenhang die sehr gute Zusammenarbeit mit dem SoVD sowie mit dem Behinderten- und dem Seniorenbeirat. „Dadurch bekommen wir sehr schnell Hinweise, wo noch etwas zu tun ist“, sagte Berling.

Am 6. Mai, dem Europäischen Protesttag für Menschen mit Behinderungen, hatte der SoVD in ganz Niedersachsen zahlreiche Grundschulen mit der Plakette ausgezeichnet, die bereits viel für die Barrierefreiheit ihrer Schulgebäude getan haben.

Wenn die Rente nicht reicht: Mehr als eine Million beziehen Grundsicherung

April 4, 2019

Die Zahl der Menschen, die von Grundsicherung leben, weil ihre Rente nicht reicht, steigt weiter. Betroffen sind Altersrentner und Erwerbsminderungsrentner zu gleichen Teilen.

Die neuen Daten des Statistischen Bundesamtes sprechen eine deutliche Sprache. 1,08 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland beziehen zusätzlich Grundsicherung. 

Die Zahl setzt sich zusammen aus 560.000 Altersrentnern und 520.000 Beziehern von Erwerbsminderungsrente. Bei den Altersrentnern entspricht das einem Anstieg von 150.000 Betroffenen in den vergangenen zehn Jahren. 

"Lieber nicht arm dran" gegen Altersarmut

Der SoVD geht davon aus, dass es eine große Dunkelziffer bei den Personen gibt, die ebenfalls Anspruch auf Grundsicherung hätten, diesen aber nicht wahrnehmen. 

Der Verband setzt sich gegen die Altersarmut ein. Im Jahr 2016 startete er dafür die Kampagne „Lieber nicht arm dran“. Zusammen mit anderen Organisationen wirbt der SoVD außerdem für die geplante Grundrente und fordert in einem Aufruf, sie ohne Bedürftigkeitsprüfung einzuführen. 

Geringverdiener würden von Grundrente profitieren

Mit dem Grundrecht möchte die Politik gewährleisten, dass lange Beitragszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Altersversorgung führen, die über der Grundsicherung liegt. 

Vor allem Menschen, die in ihrem Berufsleben wenig verdient haben, würden davon profitieren. 

Bahnreisen mit Behinderung: Deutsche Bahn bleibt zentraler Ansprechpartner

Menschen mit Behinderung brauchen bei Bahnreisen oft Unterstützung – etwa wenn sie im Rollstuhl sitzen oder blind sind. Die Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) der Deutschen Bahn (DB) dient in solchen Fällen als zentraler Ansprechpartner und leistet kostenfreie Hilfestellungen – auch für Kunden anderer Eisenbahnunternehmen. Doch aus Kostengründen sollte damit ab Februar Schluss sein. Der SoVD in Niedersachsen protestierte. Jetzt hat die DB eingelenkt. 

 

Ohne zentralen Ansprechpartner kann es für Bahnreisende mit Behinderung insbesondere dann kompliziert werden, wenn sie nicht nur mit der DB, sondern auch mit privaten Eisenbahngesellschaften unterwegs sind: Sie müssten dann bei jedem Unternehmen einzeln anrufen. „Das wäre ein enormer Rückschritt in puncto Teilhabe und Mobilität“, betont der SoVD-Landesvorsitzende Adolf Bauer.

Die DB hat das Angebot bislang kostenlos für alle Eisenbahngesellschaften organisiert, will jetzt aber eine gerechte Kostenteilung der beteiligten Unternehmen erreichen. Dazu hat die DB nach eigenen Angaben allen Partnern einen Vertrag angeboten, um den Service für mobilitätseingeschränkte Reisende weiterhin aus einer Hand zu organisieren. Doch die niedersächsischen Unternehmen reagieren zögerlich. Einige Privatbahnen wollen den Service für ihre Kunden künftig eigenständig organisieren, teilt die DB mit. Sie versuche aber weiterhin, diese Unternehmen mit ins Boot zu holen. Bis zum Abschluss der Gespräche will die DB den Service nun doch wie bisher für die Kunden aller Eisenbahngesellschaften sicherstellen.

SoVD-Chef Bauer fordert die privaten Eisenbahnunternehmen in Niedersachsen dringend auf, sich an der MSZ zu beteiligen. „Wenn sich die Unternehmen nicht bewegen, ist die Politik gefragt. Sie muss entsprechend Druck machen. Schließlich ist eine zentrale Anlaufstelle auch in der entsprechenden EU-Verordnung vorgesehen“, so Bauer.

Kein zentraler Ansprechpartner mehr / Rückschritt in puncto Teilhabe


Neue Regelung erschwert Bahnreisen für Menschen mit Behinderung Hannover. Bislang haben Menschen mit Behinderung bei ihren Reisen Unterstützung von der Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) der Deutschen Bahn bekommen. Sie fungierte als zentraler Ansprechpartner und koordinierte weitere Abstimmungen mit privaten Eisenbahnunternehmen. Das hat sich jetzt geändert, die Deutsche Bahn bietet den Service für die einzelnen Unternehmen nicht mehr an. Die Folge: Wenn Menschen mit Behinderung Hilfe brauchen, müssen sie bei jeder Eisenbahngesellschaft einzeln anrufen – ein inakzeptabler Zustand, wie der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen findet. Menschen mit Behinderung brauchen bei ihren Bahnreisen oft Unterstützung – etwa wenn sie im Rollstuhl sitzen oder blind sind. Gerade wenn sie dabei nicht nur mit der Deutschen Bahn, sondern auch mit privaten Eisenbahnunternehmen unterwegs sind, kann das kompliziert werden. Um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen, gab es als zentralen Ansprechpartner bislang die MobilitätsserviceZentrale (MSZ) der Deutschen Bahn. Sie traf die nötigen Absprachen mit allen Eisenbahnunternehmen für die gesamte Reisekette. Diesen kompletten Service hat die Deutsche Bahn nun eingestellt. Seit kurzem müssen Menschen mit Behinderung mit jedem einzelnen Eisenbahnunternehmen selbst Kontakt aufnehmen und die Hilfeleistungen organisieren. Der Grund: Die Deutsche Bahn hat das Angebot bislang kostenlos für alle Eisenbahnunternehmen organisiert. Das ist laut Bahn aus Kostengründen nicht mehr möglich. Gegen eine Gebühr können Eisenbahngesellschaften das Angebot jedoch weiter nutzen – in Niedersachsen tut das jedoch kein Unternehmen. „Für Menschen mit Behinderung bedeutet das, dass Bahnfahren sehr viel komplizierter wird. Es ist ein enormer Rückschritt in puncto Teilhabe und Mobilität“, kritisiert der SoVD-Landesvorsitzende Adolf Bauer. Er fordert die privaten Eisenbahnunternehmen in Niedersachsen dringend auf, sich nicht ihrer Verpflichtung zu entziehen und sich doch noch an der MSZ zu beteiligen. „Wenn sich die Unternehmen nicht bewegen, ist die Politik gefragt. Sie muss entsprechend Druck machen, damit es eine schnelle Lösung für die Betroffenen gibt. Schließlich ist eine zentrale Anlaufstelle auch in der entsprechenden EUVerordnung vorgesehen“, so Bauer. 

Inklusionspreis Niedersachsen: Jetzt bewerben!

Die Inklusionspreise des Sozialverbands Deutschland (SoVD) in Niedersachsen und des LandesSportBunds (LSB) Niedersachsen sind seit Jahren eine Institution. Jetzt führen die beiden Verbände den SoVD-Ehrenamtspreis, den SoVD-Medienpreis und den LSB-Inklusionspreis Sport erstmals zum Inklusionspreis Niedersachsen zusammen. Ehrenamtlich Aktive, Medienschaffende und LSB-Mitgliedsvereine, die sich beispielhaft für das Thema Inklusion einsetzen, können sich bis zum 1. April 2019 bewerben.

Mit dem Inklusionspreis Niedersachsen machen sich SoVD und LSB gemeinsam dafür stark, dass alle Menschen überall dabei sein können – egal ob mit oder ohne Behinderung. „Leider sind wir davon im Alltag oft noch weit entfernt“, sagt der LSB-Vorstandsvorsitzende Reinhard Rawe. Umso wichtiger sei es, herausragende Beispiele für Inklusion zu fördern und in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Dieses Ziel verfolgen SoVD und LSB seit Jahren mit ihren bislang unabhängig voneinander vergebenen Inklusionspreisen. „Mit dem Zusammenschluss zum Inklusionspreis Niedersachsen möchten wir die Aufmerksamkeit jetzt noch mehr auf die große Bandbreite des Themas Inklusion lenken und die Strahlkraft der Preise unter einem gemeinsamen Dach bündeln“, erklärt der SoVD-Landesvorsitzende Adolf Bauer. Für prominente Unterstützung sorgt dabei der zusätzlich vom SoVD verliehene VIP-Preis, mit dem in der Vergangenheit bereits Schauspieler und Regisseur Til Schweiger und der Wimbledon-Sieger im Tennis von 1991 Michael Stich ausgezeichnet wurden.

Der Inklusionspreis Niedersachsen ist mit insgesamt 19.000 Euro dotiert und wird am 14. Juni 2019 im Rahmen der Landesverbandstagung des SoVD in der Swiss Life Hall in Hannover verliehen. Schirmherr ist der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil.

Mehr Infos zur Ausschreibung und den einzelnen Auszeichnungen finden Sie unter www.inklusionspreis-niedersachsen.de

Behindertensportler 2019: Stimmen Sie ab!

Der Behindertensportverband Niedersachsen (BSN) hat auch 2019 wieder sechs Sportlerinnen und Sportler für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres nominiert – vom Rollstuhlbasketballer bis zur Para-Sportschützin (Foto: Vorjahressiegerin Riekje Heuter mit BSN-Präsident Karl Finke). Die Abstimmung läuft noch bis zum 27. Februar. Mitmachen lohnt sich: Es winken ein E-Motorroller und viele andere tolle Preise. Ihre Stimme können Sie unter anderem in den niedersächsischen Lotto-Annahmestellen, den Filialen der Hannoverschen Volksbank und online auf der Website des BSN abgeben. Die Auszeichnung wird am 7. März bei einer festlichen Gala im GOP-Varieté Hannover verliehen. 

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ÖPNV: Neue landesweite Beschwerdestelle

Menschen mit Behinderung, die sich im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht barrierefrei bewegen können oder sich diskriminiert fühlen, aber mit ihrer Beschwerde beim Verkehrsunternehmen kein Gehör finden, können sich seit 15. Januar 2019 an eine landesweite Beschwerdestelle wenden: Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen hat die in Hannover ansässige Nahverkehr-Schlichtungsstelle SNUB mit den Aufgaben einer zentralen Beschwerde- und Clearingstelle betraut.

SNUB steht für „Streit Neutral Unkompliziert Beenden“. Gibt es zum Beispiel für Rollstuhlnutzer keinen barrierefreien Einstieg in den Bus oder die Straßenbahn oder erhalten Fahrgäste mit Sehbehinderung keine hörbaren Informationen zu den Haltestellen, kümmert sich SNUB um erfolglose Beschwerden und vermittelt gegebenenfalls zwischen Unternehmen und Beschwerdeführer.

Das Schlichtungsverfahren ist kostenlos. „Das spart Zeit, Geld und Nerven“, sagt SNUB-Schlichterin Claudia Errington. „Auch so manches Klageverfahren erübrigt sich“, so die Juristin.

SNUB ist postalisch unter Postfach 6025, 30060 Hannover, per E-Mail unter kontakt(at)nahverkehr-snub.de und per Fax unter der Nummer 0511/1668962000 erreichbar.

Mehr Infos finden Sie unter www.nahverkehr-snub.de.

SoVD-Frauen: Landesverband präsentiert Jubiläumsfilm und Podcast

Seit genau 100 Jahren machen sich Frauen im Sozialverband Deutschland (SoVD) für die Gleichberechtigung stark. Pünktlich zu diesem wichtigen Jubiläum hat Niedersachsens größter Sozialverband einen Film produziert, der die spannende Geschichte der SoVD-Frauen nachzeichnet und dabei zugleich die Aufmerksamkeit auf aktuelle und künftige Herausforderungen lenkt. Noch mehr Infos zum Thema bietet ab sofort auch ein sechsteiliger Audio-Podcast des SoVD in Niedersachsen: Jede Woche erscheint eine neue Folge. Am besten gleich mal reinklicken!

Hier sehen Sie den Jubiläumsfilm.
Hier hören Sie den Audio-Podcast.

SoVD-Ortsverband Veldhausen stellt Notfalldose vor

Die Notfalldose kann in einem medizinischen Ernstfall eine wichtige Orientierungshilfe für Rettungskräfte bieten. Das dahinterstehende Konzept hat der SoVD-Ortsverband Veldhausen seinen Mitgliedern vorgestellt.

Wenn Rettungskräfte zu einem Notfall gerufen werden, zählt nicht nur jede Sekunde, sondern auch die Menge an Informationen, die über den Gesundheitszustand des Patienten zur Verfügung stehen. Welche Vorerkrankungen gibt es? Werden Medikamente regelmäßig eingenommen? Bestehen Allergien? Hatte der Patient unlängst eine schwere Operation? Wurde eine Patientenverfügung verfasst? Nicht selten bleiben diese Fragen zunächst offen, wenn es sich um alleinstehende, bewusstlose Personen handelt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Notfallmediziner sofort lebensrettende Maßnahmen ergreifen müssen und nicht die Zeit haben, um in der Wohnung nach medizinischen Unterlagen zu suchen.

Die Notfalldose, ein kleines grünes Behältnis, das in der Tür des heimischen Kühlschranks aufbewahrt wird, kann in einer solchen Situation eine große Hilfe für die Erstretter sein. In der Dose befindet sich ein Informationsbogen, auf dem zuvor alle wichtigen medizinischen Daten aufgeschrieben wurden. Damit Rettungskräfte wissen, dass es eine Notfalldose in dem betreffenden Haushalt gibt, wird ein Aufkleber auf der Innenseite der Eingangstür sowie außen auf der Kühlschranktür gut sichtbar auf Augenhöhe angebracht.

„Rettungskräfte kennen das Konzept und wissen sofort, dass sie im Kühlschrank nachsehen müssen, wenn sie den Aufkleber sehen“, sagt Hans-Dieter Wolters, Vorsitzender des SoVD-Ortsverbandes Veldhausen, der die Notfalldose im Dorfgemeinschaftshaus Osterwald im Rahmen einer Informationsveranstaltung vorgestellt hat. „Viele Menschen haben zwar einen Notfall- und Impfpass, einen Medikamentenplan und eine Patientenverfügung zu Hause. Die werden aber kaum in einer Situation von Ersthelfern gefunden, in der ein Patient nicht ansprechbar ist“, so Wolters. „Künftig steht die Lösung im Kühlschrank“, erklärt der Ortsvorsitzende. Da das Konzept überzeugend sei, werde der der SoVD-Ortsverband Veldhausen die Notfalldose als kleines Weihnachtsgeschenk an alle Mitgliedshaushalte übergeben. Der Ortsvorsitzende hat sich zudem dafür ausgesprochen, dass das Konzept der Notfalldose flächendeckend in der Grafschaft vorgestellt wird und das Behältnis an möglichst vielen Stellen erworben werden kann. „Der SoVD wird weiter über das Thema informieren“, so Wolters.

„So gemein ist Niedersachsen“ SoVD macht mit „Schwarzbuch sozial“ wieder Ungerechtigkeiten öffentlich

Hannover. Bereits zum dritten Mal veröffentlicht der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen das „Schwarzbuch sozial“ mit den hanebüchensten Ungerechtigkeiten aus seinem Beratungsalltag: Da wird der Reha-Antrag von Eltern abgelehnt, die gerade ihr Kind verloren haben. Da wirft das Jobcenter einem SoVD-Mitglied Steuerverschwendung vor und klagt selbst mehrere Jahre erfolglos, um nicht zahlen zu müssen. Und da unterstellt die Berufsgenossenschaft einem schwer verunglückten Lkw-Fahrer, zu simulieren, weil sie sich vor der Rentenzahlung drücken will. Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Dass das vor allem für Menschen in schwierigen Situationen zum Problem wird, zieht sich wie ein roter Faden durch das „Schwarzbuch sozial“. 20 Fälle aus den rund 60 Beratungszentren in ganz Niedersachsen dokumentieren sehr gut die Ungerechtigkeiten, die täglich auf den Schreibtischen der SoVDBerater landen. „Wir stellen immer häufiger fest, dass für Kranken- und Pflegekassen, aber auch für Jobcenter nicht die Probleme des Einzelnen im Vordergrund stehen, sondern ihre eigenen Zahlen und wirtschaftlichen Interessen“, kritisiert Bernhard Sackarendt, 2. SoVD-Landesvorsitzender. Und SoVD-Landesgeschäftsführer Dirk Swinke ergänzt: „Die Art und Weise, wie Behörden und Institutionen mit Betroffenen umgehen und mit ihnen kommunizieren, macht uns an vielen Stellen sprachlos.“ Oft werde wenig Fingerspitzengefühl an den Tag gelegt. „Das zeigt uns, dass Einzelschicksale für die Behörden oftmals keine Rolle spielen“, so Swinke weiter. Anders könne er sich so manches Vorgehen nicht erklären. Mit dem „Schwarzbuch sozial“ will Niedersachsens größter Sozialverband aber nicht nur auf die Missstände aufmerksam machen, sondern auch bei der Politik den Finger in die Wunde legen. „Wir nutzen das Schwarzbuch dazu, um deutlich zu machen, welche negativen Konsequenzen zahlreiche Gesetze 

für Menschen haben, denen es ohnehin schon nicht gut geht“, erläutert Sackarendt. Ein Beispiel dafür sei etwa die Tatsache, dass Widerspruchsverfahren im Bereich Pflege unverhältnismäßig lange dauern. „Unsere Beratung zeigt: 90 Prozent der Betroffenen warten länger als drei Monate auf eine Entscheidung“, so Sackarendt. Das sei ein unhaltbarer Zustand. Natürlich seien zuerst der Medizinische Dienst der Krankenversicherung und die Pflegekassen in der Pflicht, das zu beschleunigen, aber auch die Politik könne etwas tun: „Bei einem Antrag gibt es eine gesetzliche Frist, innerhalb derer entschieden werden muss. Das muss es auch für Widersprüche geben“, fordert der 2. SoVD-Landesvorsitzende. „Schließlich betonen Politiker immer wieder, dass Pflegebedürftige besser unterstützt werden müssen. An diesem Punkt könnten sie damit anfangen“, findet er. Dass in Niedersachsen vieles nicht rundläuft, macht SoVDLandesgeschäftsführer Dirk Swinke auch anhand verschiedener Zahlen deutlich: „Viele Menschen können bestimmte Dinge nicht mehr alleine. Sie brauchen Beratung und kommen deshalb zu uns.“ Dies zeige zum Beispiel auch die steigende Zahl der Mitglieder. Am 31. Oktober 2018 waren es fast 285.000 – ein Plus von 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für seine Mitglieder hat der SoVD durch Widersprüche und Klagen auch 2017 hohe Summen erstritten. Das waren mehr als 26 Millionen Euro an einmaligen und mehr als 7 Millionen Euro an laufenden Zahlungen. Insgesamt hat der Verband sich in rund 33.800 Anträgen, Widersprüchen, Klagen und Berufungsverfahren für seine Mitglieder starkgemacht. Das „Schwarzbuch sozial“ ist im Internet unter www.sovd-nds.de abrufbar. Bildunterschrift: Dirk Swinke (SoVD-Landesgeschäftsführer, links) und Bernhard Sackarendt (2. SoVD-Landesvorsitzender) haben in Hannover das neue „Schwarzbuch sozial“ vorgestellt. Foto: SoVD/Rudolf Seidel